International Society for Jazz Research

Pan-Musical Cross-Over:

Keith Jarrett’s Multi-Instrumentalism

Der amerikanische Pianist Keith Jarrett ist bekannt für sein Engagement in vielfältigen stilistischen Bereichen. Jarrett hat sich zeitweise den improvisativen Praktiken des „Free Jazz“ angenähert, „standard“-Jazz-Repertoire in einer Trioformation interpretiert, solistische Klavierimprovisationen im Konzertsaal aufgeführt, klassische und zeitgenössische Klavierliteratur dargeboten sowie selbst als Komponist in der abendländischen Tradition geschrieben. In all diesen Bereichen erscheint Jarrett mit dem Klavier, seinem Hauptinstrument.

Jarrett selbst aber bekundet, daß seine vielleicht weniger bekannte Arbeit auf verschiedenen anderen Instrumenten ein zentraler, sogar fundamentaler Aspekt seiner künsterlischen Identität ist. Der vorliegende Artikel analysiert das multi-instrumentale Werk Keith Jarretts, von den Texturcollagen seines sogenannten „Amerikanischen Quartetts“ in den siebziger Jahren über seine frühe Folk-Rock-Schallplattenaufnahme „Restoration Ruin“ bis hin zum „Spirits“-Projekt von 1985, einer Zusammenstellung von Improvisationen auf Blockflöten, Perkussionsinstrumenten aus aller Welt, Saiteninstrumenten und nur gelegentlich einem Klavier. Bedeutung und Funktion dieser Arbeiten werden im Zusammenhang der „Free Jazz“-Ästhetik kontextualisiert, während der Einfluß von Jarretts multi-instrumentaler Musik auf sein Gesamtwerk und auf seine Identität als Pianist beleuchtet wird.

Das Image des Klaviervirtuosen, der seine zutiefst inspirierten künstlerischen Momente auf einer einfachen, hölzernen Flöte oder einer Trommel gefunden zu haben beteuert, reflektiert eine schimmernde Ambivalenz, die selbst zu einem Merkmal des Phänomens Keith Jarrett geworden ist.