Jazz-Analyse:
Ein Plädoyer für mehr als das bloße Zergliedern
Das hier vorgestellte, aus der Improvisationspraxis abgeleitete Analysekonzept vermeidet die Zersplitterung der Ergebnisse in zwar objektiv nachweisbare, aber zusammenhanglos wirkende Einzelbefunde ebenso wie den Subjektivismus der "verstehenden" oder hermeneutischen Betrachtungsweise von Jazzimprovisationen (und auch -kompositionen). Es postuliert, in Anlehnung an Sprache, drei hierarchisch organisierte Strukturebenen (Bausteine, Verbindungen, allgemeine expressive Zielrichtungen). Ein dazugehöriges, sehr variables Modell (es eignet sich vorzüglich zur Vorstrukturierung von Improvisationen, auch noch im Moment des Spielens) vermittelt, wie in einer gegebenen Improvisation Elemente aus allen drei Strukturebenen in einem "aktiven Bereich" fokussierend zusammenfließen, und zwar mindestens ein Element pro Ebene in jedem musikalischen Abschnitt. In der Praxisnähe von Modell und Konzept zeigt sich der Realitätsbezug dieses Analyseansatzes, gleichsam im Sinne eines "Wieder-Aufrollens" des kreativen Prozesses.