International Society for Jazz Research

Rhythm Concepts in Afro-Cuban Music

Erste Prämisse zum rhythmischen Verständnis afrokubanischer Musik ist die pyramidale Struktur von simultanen Schwingungen, wie wir sie aus der Obertonreihe, den Lichtfrequenzen des Regenbogens etc. kennen. Diese Struktur verstehen wir als den naturgegebenen physikalischen Rhythmus, der insbesondere das Phänomen der Spannung oder Reibung zwischen gleichzeitig ablaufenden Schwingungen aus geraden und ungeraden Teilschwingungen (Sekundärpulsen) beschreibt. Diese Spannung ist ein Kennzeichen afrokubanischer Rhythmen.

Als Grundformen afrokubanischer Rhythmen kennen wir ausschließlich Zyklen mit 12 und 16 Pulsen. Im Sinne der "Rhythmuspyramide" kann insbesondere der 12-er Zyklus mehrdeutig gespürt werden: Der Basispuls kann 1, 2, 3, 4, 6 und eventuell auch mehr Schwingungen pro Zyklus einnehmen. Der 16-er Zyklus wird zumeist in 4 oder 8 Pulsen gespürt, gehörsmäßige Entwicklungsmöglichkeiten liegen bei 3 und 6 Schlägen - als Spiegelung des Prinzips bei 12-er Zyklen.

Beide Grundformen werden immer mit bestimmten "timelines" weiter strukturiert. Diese "timelines" sind das westafrikanische Glocken-Muster bzw. der Clave-Rhythmus.

Afrokubanische Musik baut sich generell um diese Formen bzw. timelines herum auf. Bestimmte instrumentenspezifische patterns der música popular kennen wir als "tumbao" und "montuno". Als vielseitigste rhythmische Ebene schließlich erfassen wir den Zusammenhang zwischen Clave (timeline) und Melodierhythmen bzw. Solophrasen von Perkussionsinstrumenten. Hier lassen sich bestimmte rhythmische Akzentfolgen erkennen, die ein reiches Repertoire an stilgerechten Phrasenkombinationen ermöglichen. Der Grad an Freiheit, Variantenreichtum und Unabhängigkeit, mit dem sich ein Musiker simultan zur Clave-Struktur artikulieren kann, ist als künstlerisches Kriterium zu werten.