Analytical Models of Jazz Improvisation
Analytische Modelle von Jazzimprovisation, wie sie im vorliegenden Aufsatz überblicksartig vorgestellt werden, nehmen verschiedene Positionen gegenüber dem zu analysierenden Objekt ein. Beim Versuch, sich der Jazzimprovisation analytisch zu nähern, hielt man sich bisher häufig an die Betrachtungsweise von komponierter Musik, und man untersuchte das transkribierte Jazzsolo in ähnlicher Weise wie komponierte Musik, nämlich nach Kriterien wie der thematischen Entwicklung, dem Zusammenhang von Thema und Variation u. a. m. Der Autor nennt solche analytischen Betrachtungsweisen "reduzierende" Modelle von Jazzimprovisationen.
In letzter Zeit wurden "prozessuale" Modelle entwickelt, die sich eher auf die sogenannten systemimmanenten Vorgänge in einer Improvisation konzentrieren anstatt auf die Transkription als eines ihrer Produkte. Mehrere analytische Modelle zur Jazzimprovisation wurden auch auf theoretischen Konstrukten aufgebaut, die der strukturellen Linguistik entliehen sind.
Um bestimmte Aspekte sowohl von Jazzimprovisation als auch von tonaler Komposition zu erklären, wurden eine sogenannte generative Grammatik bzw. formale Systeme vorgeschlagen. Modelle wie jenes von Smith (1983), wo Parallelen zwischen einerseits formelhafter Rezitation epischer Dichtkunst in oralen Traditionen und andererseits der Improvisation von Melodien beim Jazzmusiker hergestellt werden, scheinen die brauchbarsten Erklärungen zum Verständnis der Vorgänge im Gestalten von Jazzimprovisationen zu liefern.