Wes Montgomery
A Study of Coherence in Jazz Improvisation
Dem Autor des vorliegenden Aufsatzes geht es darum, aufzuzeigen, auf welche Weise der Jazzgitarrist Wes Montgomery den musikalischen Zusammenhang ("coherence") seiner Soli gestaltet. Die Grundlage der Analyse bilden die transkribierten Gitarrensoli von drei Ensembleaufnahmen von Bluesstücken, wobei von einem Stück zwei Takes vorliegen.
Die Analyse dieses Materials zeigt das Vorhandensein von "main ideas", das sind Gruppen von jeweils miteinander verwandten musikalischen Ideen, welche durch umfangmäßige Begrenztheit und leichte Memorierbarkeit gekennzeichnet sind. Diese "main ideas" reichen von der Wiederholung melodischer Motive oder rhythmischer Figuren bis zu eher übergreifenden Ideen wie dem Bezugnehmen auf einen bestimmten Modus oder der Veränderung der an und für sich vorgegebenen Tonhöhe. Montgomery verwendet bei einem Solo oder auch bei verschiedenen Takes häufig eine oder mehrere dieser musikalischen Ideen, indem er sie entweder einander gegenüberstellt oder sie miteinander kombiniert.
Die "main ideas" lassen sich in zumindest zwei Hauptgruppen teilen: zum einen in jene musikalischen Ideen, welche auf dem Grundton basieren oder ihn einschließen, zum anderen in jene, wo ein diesbezügliches Verhalten die Quinte betrifft. Eine Unterteilung kann sich aber auch auf die Verwendung oder Nichtverwendung gewisser musikalischer Verhaltensweisen (z. B. Glissandi, Wiederholungen) beziehen. Zwischen den "main ideas" einerseits und den zugrundeliegenden Harmonien andererseits sind allerdings keine eindeutigen Bindungen feststellbar; diesbezüglich scheinen das Tempo und die Struktur des Chorus mit eine Rolle zu spielen.
Schließlich beschäftigt sich der Autor auch mit den parallel oder unterstützend zu den "main ideas" verwendeten Methoden Montgomerys, einen Chorus oder eine Folge von Chorussen zu organisieren und zu gestalten, etwa durch die Aufeinanderfolge von Single-notes-, Oktav- und Akkordpassagen.