International Society for Jazz Research

The American Jazz-Writer-Critic of the 1930s

Jazzkritik entstand in Amerika in den 30er Jahren. Vorher schrieben Journalisten über den Jazz, die ihre Erfahrungen der Anstellung in populären Musikzeitschriften verdankten, wie Etude, Metronome, Phonograph Monthly Review, auch angesehenen Wochen- und Monatsblättern mit intellektuellem Anspruch wie American Mercury, New Masses, The Dial, New York Times. Dazu kamen als Zeitungen der schwarzen Gesellschaft das New York Age und der Chicago Defender. Wenn überhaupt, so lagen die Vorbilder dieser Journalisten im Bereich der klassischen Musikkritik. Einen direkten Bezug zum Jazz hatten sie in der Regel nicht.

Diese Situation änderte sich in den 30er Jahren, indem eine neue Journalistengeneration auftrat, welche mit der von ihnen beschriebenen Musik herangewachsen war. Sie lebten vor allem von ihrer Begeisterung, systematische Kriterien für ihre kritische Tätigkeit waren ihnen fremd. Einige waren musikalische Profis, einige musikalische Amateure, andere musikalisch ungebildet. 1935 entstand die erste Zeitschrift, welche sich ausschließlich dem Jazzbereich widmete, der Down Beat. Zu den frühesten Jazz-Journalisten zählen Carl Van Vechten, Olin Downes, Ernest Ansermet, George Antheil, Gilbert Seldes. Die Gilde der kompetenten Jazzkritiker beginnt mit Charles Edward Smith, Hugues Panassie, Winthrop Sergeant, Wilder Hobson, Donald Knowlton, Aaron Copland.

Danach setzte die Periode ein, in welcher die Zeitungen, inklusive Jazz-Zeitschriften, ihre eigenen "Haus"-Kritiker für den Jazz anstellten. George Frazier schrieb für Down Beat, Roger Pryor Dodge für die Hot Record Society, Frederic Ramsey und Ch. E. Smith für Jazz Information, B. H. Haggin für die Nation, Dave Peyton für den Chicago Defender. Wichtige Namen in der nächsten Generation waren Preston Jackson, Frank Marshall Davis, Marshall Stearns, William Russell, John Hammond und Charles Delaunay. Die letzte Generation in den 30ern rekrutierte sich u.a. aus Stanley Dance, George T. Simon, Leonard Feather, Bill Rowe, Dave Dexter, Russell Sanjek, Helen Oakley, Harry Lim und Barry Ulanow.

Die Untersuchungen gehen zurück in den sozialen Hintergrund einzelner Kritiker, ihre Ausbildung, musikalische Kenntnisse, Haupt- und Nebentätigkeiten, Einnahmen aus der Jazzkritik sowie die beginnende Einflußnahme von Jazzkritik und Jazzkritikern auf die Jazzmusik. Weitere Diskussionspunkte sind die Reaktionen von Jazzmusikern auf die Jazzkritik, die weiblichen Jazzkritiker, die Entwicklung allgemein akzeptierter Kriterien zur Kritik sowie die Auseinandersetzungen der Kritiker untereinander sowohl um ihre Überzeugungen/ldeologien wie um ihren Einfluß im Medien- und Musikgeschäft.