International Society for Jazz Research

Development of Rhythm & Blues and Its Styles

Der Autor definiert die Bezeichnung "Rhythm & Blues" als Nachfolgebegriff für die alte Kategorie "Race Records" aus den 30er und 40er Jahren. Die Entstehung von R&B wird mit zwei historischen Ereignissen in Zusammenhang gebracht: 1. die Rationierung von Schellackmaterial für Kriegszwecke, 2. die Beschränkung der Schallplattenproduktion zugunsten von Live-Auftritten der Bands. Beide Ereignisse führten zum Entstehen der ersten unabhängigen Kleinlabels wie Modern, King, Atlantic, die zur Charakterisierung ihrer Musik für schwarze Teenager den Begriff Rhythm & Blues einführten.

Ein weiteres Kennzeichen dieser Musik ist ihre Tanzbarkeit, womit sie sich vom Blues und der bluesorientierten Popularmusik unterscheidet. Gleichfalls bestimmend für R&B ist die Verwendung einer Chorgruppe samt Leadsinger, worin wahrscheinlich ein Zusammenhang mit der Praxis des Gospelsingens in den schwarzen Kirchen zu sehen ist. Sie dienen der Harmonisierung der Melodie. Dazu kommen weitere Musikinstrumente für Melodie-, Klang- und Rhythmusfunktionen. In den 40er Jahren waren das meist noch Trompeten und Saxophone, später immer mehr Gitarren, insbesondere nach deren Elektrifizierung in den 50er Jahren. Zum wichtigsten Merkmal der verschiedenen R&B-Stile entwickelten sich die Perkussionsfiguren der Baßtrommeln und die aus ihnen abzuleitenden rhythmischen Bewegungserlebnisse.

Als typische Erscheinungsformen der R&B-Musik werden die 12-taktige Bluesform AAB, die 16-taktige Bluesform AAAB sowie die 32-taktige populäre Songform AABA herausgearbeitet. Dann werden die wichtigsten R&B-Stile anhand der für sie verantwortlichen Labels besprochen, mitsamt ihren Produzenten, den bekanntesten Künstlern, Arrangeuren, Titeln und Gruppen: Atlantic, Motown, Memphis-Stax. Genügend Raum wird dem "Abdecken" (covering) besonders erfolgreicher Stücke der schwarzen Musiker durch weiße Sänger und Gruppen gewidmet, wodurch Licht auf so bekannte Figuren wie Bill Haley und seine Comets oder Elvis Presley fällt.

Die Fortsetzung der R&B-Musik in den 60er Jahren erfolgte zunächst durch "Rock & Roll" und "Disco" auf seiten der schwarzen Teens, ehe auch diese als Rock- oder Popmusik von weißen Unternehmern "abgedeckt" wurden bzw. ehe sich von England aus, im Gefolge des dort stattfindenden sog. Blues-Revivals, eine spezielle "weiße" Form von Rockmusik als "Beat" zu entwickeln begann.