Prolegomenon to the Music of Horace Silver
Horace Silver, geboren 1928 in Norwalk, Connecticut, begann seine Musikerlaufbahn, während er die Highschool besuchte. Mit 26 Jahren spielte er mit Stan Getz und Miles Davis und wurde zum Starpianisten von "Down Beat", als er bei Art Blakey's Jazz Messengers war. 1956 gründete er sein erstes eigenes Quintett und hat in dieser Besetzung, mit geringfügigen Unterbrechungen, seither immer gearbeitet. Eine große Anzahl sehr bekannter Jazzmusiker sind in seinen Quintetten tätig gewesen. Zusammen mit Ray Charles und Bobby Timmons gilt er als ein Begründer des Funk- Stils im Jazz und ist sowohl für seine Improvisations- wie auch seine Kompositionstechnik bekannt.
Seine Improvisationstechnik gründet sich auf seine Weltmusik-Philosophie sowie seine Bewunderung einiger großer Jazzpianisten, besonders Bud Powell. Kennzeichen ist z. B. ein starkes Comping der linken Hand verbunden mit Achtelnoten-Melodien der rechten. Silvers Akzentuierung erfolgt einen Bruchteil hinter dem Beat, wodurch der Eindruck von sehr entspanntem Swing entsteht. Seine Melodien sind viertaktig oder kürzer, oft nur kurze Phrasen, dafür aber sehr zusammenhängend. Er bevorzugt mäßig rasches Tempo. Seine Melodien sind stets einprägsam, wohl weil sie starken Bezug zu Blues und Gospel besitzen. Ein häufig verwendetes Mittel ist die Sequenz. Ebenso gerne benutzt er Interpolationen und Zitate aus anderen Stücken. Seine Compingtechnik dient zweierlei Zwecken: mit arpeggierten Rechthand-Akkorden bestreitet er harmonische Fills und überbrückt auftretende Lücken, mit punktierten Akkordstößen begleitet er Solisten und versieht sie mit einem sehr anregenden und treibenden Untergrund. Für eigene Soli setzt er gelegentlich die Outgoing-Technik ein und erreicht damit einen freien, avantgardistischen Sound. Seine Kompositionstechnik spiegelt vor allem die vielen Eindrücke und Begegungen mit zahlreichen Musiken der Welt, von Afrika, Brasilien, Kuba über Mexiko bis zum Gospel in der Kirche seiner eigenen Mutter. Hervorragend ist seine Verwendung von Ostinato, Sequenzierung, Quartenspiel, unerwarteten Rhythmus- und Formwechseln. Letzteres führt zu unsymmetrischen Perioden in Chorusformen und ist ein beliebtes Mittel zur Erhaltung von Aufmerksamkeit. Als sein Grundbestreben nennt Silver die Erzeugung von Glücksgefühl, Freude, Liebe, Frieden, aber auch Nachdenklichkeit und Melancholie bei seinen Zuhörern. Dazu benutzt er bewußt melodische und klangliche Schönheit, sinnvolle Einfachheit und überschaubare sowie herkömmliche Formen.