Big Top Blues
Jazz-Minstrel Bands and the Young Family Traditions
Die Geschichte des Jazz ist bisher nach zahlreichen Gesichtspunkten hinsichtlich der Bedeutung bestimmter Städte, bestimmter Gegenden, bestimmter Persönlichkeiten untersucht worden. Natürlich hat sich Jazzgeschichte nicht nur an diesen Punkten und durch diese Individuen zugetragen. Zu den wenig beachteten Komponenten der Jazzgeschichte gehört die Negro-Minstrelsy. Entgegen mancher Darstellungen hat sie bis weit in die vierziger Jahre weiterbestanden. Sie war Ausbildungsstätte und frühe Wirkungsstätte vieler später bedeutender und weniger bedeutender Jazzmänner, und sie fungierte auch als ein bedeutendes Medium für die Ausbreitung des neuen Musikidioms Jazz. Der Autor zeigt an Beispielen diese bisher wenig beachteten historischen Zusammenhänge.
Auf diesen Hintergrund wird sodann die Geschichte der sogenannten Family-Bands projiziert, das sind Orchester, die aus den Mitgliedern einer einzelnen Familie bestehen. Einer solchen Family-Band, den New Orleans Strutters, entstammt ein bedeutender Jazzmusiker, Lester Young. Der Autor untersucht in diesem Rahmen u. a. die Bedeutung von Frauen als Instrumentalisten in solchen Orchestern; die Bedeutung der "professors" für die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses; den großen Wert, welcher in diesem Milieu auf Leistung, Respektabilität und Genauigkeit gelegt wurde. Auch die Rolle der älteren Musiker als Autoren und Beschützer bei der Sozialisation junger Nachwuchskräfte wird herausgearbeitet. Alle diese Faktoren hat die schwarze Gesellschaft schon in der Periode der Minstrelsy entwickelt, sie wurden danach in das Jazz-Idiom übertragen, ohne daß bisher explizit darauf hingewiesen wurde.
Der Aufsatz verwendet Fallstudien, Interviews, Zeitungsausschnitte, Archivmaterial und Biographien. Er bringt Licht in einige sehr interessante und sehr persönliche Insider-Bereiche der Black Community.