International Society for Jazz Research

Black Nationalism in Jazz

The Forerunners Resist Establishment Repression, 1958–1963

In seinem Buch "Black Nationalism and the Revolution in Music" (New York 1970) hat der Autor die Vorgänge dargestellt, welche Mitte der 60er Jahre weite Teile der schwarzen Bevölkerung Nordamerikas erfaßten: Die Ideologie einer schwarzen kulturellen und politischen Eigenständigkeit hat nicht nur die Bürgerrechts-Bewegung weitgehend mitbestimmt, sondern war im künstlerischen Bereich verbunden mit der Entstehung einer Avantgarde junger Musiker, welche mehr und heftiger als jemals zuvor den bestehenden Status quo in Frage stellte. Bei dieser Darstellung konnte für den historischen Hintergrund dieses Prozesses nur ganz kurz auf die Tatsache hingewiesen werden, daß er schon Ende der 50er Jahre einen Vorläufer hatte, als einige Jazzmusiker den Versuch machten, in entschiedener Form auf die kulturelle und politische Eigenständigkeit der schwarzen Bevölkerung hinzuweisen, und dafür von den Organen des weißen Jazz-Establishments in konzentrierter Form zurückgewiesen und bestraft wurden.

Der vorliegende Aufsatz präsentiert die Ergebnisse der Recherchen des Historikers auf diesem Gebiet. Es werden die Versuche von vier Jazzmusikern in den fünfziger Jahren gezeigt, auf die Situation der schwarzen Bevölkerung in den USA im allgemeinen, auf die Rolle des schwarzen Künstlers in der US-Gesellschaft und insbesondere auf die Lage der schwarzen Jazzmusiker kritisch aufmerksam zu machen. Diese Versuche haben nicht nur zu ausfälligen Reaktionen von seiten der weißen Beherrscher der internationalen Jazz-Szene geführt, sondern auch zu steilen Abbrüchen in der Karriere von Sonny Rollins, Charles Mingus, Max Roach und Abbey Lincoln, sowie ihrem jahrelangen Verschwinden aus den Top-Rängen ihres Berufs.

Führend in dieser Bestrafungskampagne war das Magazin "Down Beat". Es hat durch nachteilige Kritiken dem Ansehen dieser Künstler geschadet; es hat durch indirekten Druck auf die Plattenfirmen erreicht, daß die Musiker nicht mehr aufgenommen oder vorhandene Aufnahmen der Künstler zurückgehalten bzw. zurückgezogen wurden. Die Bemühungen der Musiker um Selbsthilfe stellten gleichfalls eine Vorwegnahme der Entwicklungen der 60/70er Jahre dar: Gründung eigener Platten-Labels, Durchführung eines Gegen-Jazzfestivals in Newport 1960, öffentliche Diskussionen in den Medien, Gründung einer eigenen Organisation, "Jazz Artists Guild". Die Gegen-Argumentation der führenden weißen Jazz-Journalisten, denen sich nach "Down Beat" auch bald Leonard Feather anschloß, arbeitete zunächst auf der gängigen und stets erfolgversprechenden Ebene von Rassismus und Anti-Rassismus; danach wurden die Musiker mit den üblichen Sanktionen belegt. Während diese Maßnahmen damals noch die Mehrheit der Jazzmusiker einschüchtern und bei der Stange halten konnten, reichten sie gegen den Druck der Nationalismuswelle unter den schwarzen Musikern in den siebziger Jahren allerdings nicht mehr aus.