Mister Charlie – a Type of Chantefable-Blues
In Commemoration of Samuel "Lightning" Hopkins (1912–1982)
Eine Anzahl Bluessänger haben in ihrem Repertoire eine Bluesform, welche erzählende Passagen und gesungene Strophen miteinander verbindet. Von ihnen wurden bisher vier verschiedene Typen aufgefunden; für die ganze Kategorie wird die Bezeichnung "Chantefable-Blues" vorgeschlagen.
Lightning Hopkins hat in seinem Opus mehrere Chantefable-Blues hinterlassen, einer davon ist "Mister Charlie" auf Candid 8010. Die Studie untersucht den hier verwendeten Chantefable-Typ nach seiner poetischen, musikalischen und inhaltlichen Anlage. Poetisch werden die metrischen und sprachlichen Mittel dargestellt: dreihebige trochäische Zeilen, Betonungsregeln, männliche und weibliche Zeilenenden, Pickup-Silben und Pickup-Zeilen. Die vier gesungenen Bluesstrophen werden hinsichtlich der Behandlung der 12-Takteform untersucht: 12-I, 12-II/Str, 12-III. Dazu die harmonischen Varianten, die motivischen Varianten und die künstlerischen Freiheiten, welche Lightning Hopkins benutzt. Der Analyse und dem Vergleich dienen Transkriptionen der reduzierten sowie der tatsächlich gesungenen Strophen.
Dann erfolgt ein Exkurs über die "formulaische" Methode der Textgestaltung, die mit den Ansätzen von Parry-Lord sowie von Bruce A. Rosenberg kritisch verglichen wird. Desgleichen folgt eine Betrachtung des Stückes unter dem Verständnis afro- amerikanischer Doppelbedeutung. Dabei kommt hinter der oberflächlichen Erzählung von einem braven Jungen, der für seine Treue die angemessene Belohnung erhält, eine hintergründige Verhöhnung des weißen Mannes zum Vorschein, ein sogenanntes "Whupping Game", welches zu den Selbstschutz- und Verteidigungsmechanismen der schwarzen Gesellschaft gegenüber der erdrückenden Macht der amerikanischen Mainstream-Gesellschaft gehört.
Eine vollständige Transkription der Aufnahme beschließt den Aufsatz.