International Society for Jazz Research

Pitch Class Set Structures in Contemporary Jazz

In den letzten Jahren wurde in den USA eine neue Methode zur Analyse nicht-tonaler Musik entwickelt. Sie verwendet anstelle diatonischer oder chromatischer Bezeichnungen sogenannte Pitch Classes und Pitch Class Sets, also Tonhöhen- Klassen und Tonhöhen-Gruppen. Diese werden in aufsteigender Reihenfolge durchnumeriert und gestatten eine musikalische Analyse ohne diatonische oder funktions-harmonische Assoziationen.

Der Autor unternimmt den Versuch, diese Methode auf den Bereich des Jazz anzuwenden. Zuerst stellt er die wichtigsten Grundlagen dieser Analyse-Methode vor (Tonhöhen-Gruppen, Dreiklangs-Kategorien, Intervallklassen), um danach an einigen ausgesuchten Beispielen die möglichen Ergebnisse der Methode an moderneren Jazzformen darzustellen (Thad Jones, Supersax, John McLaughlin, John Coltrane). Eine Anwendung der gleichen Methode an Beispielen des Free Jazz ist in einem weiteren Aufsatz vorgesehen.

Die Verwendbarkeit und die Vorteile dieser Methode sieht der Autor in mehreren Punkten: eine selbständige und logische Terminologie für die Beschreibung nicht- tonaler Musikwerke; ein Werkzeug zur Darstellung von Vorgängen in solcher Musik, die mit herkömmlichen Methoden nicht möglich ist. Dazu zählt er im besonderen die Beziehungen zwischen Stimmverteilungen (Voicings) und Jazz-Melodik; die Beziehungen zwischen Tonhöhengruppen und Phrasierung, Artikulation, Dynamik, Rhythmik, Instrumentierung. Als besonders nützliche Arbeitskonzepte stellt der Autor die Begriffe "Intervallgehalt", "Tongruppen-Beständigkeit", "Gruppenzahl", "Tongruppen-Stimmführung" und "Klang-Ideal"