The Origin of Zaire Modern Music
– Result of a Socio-Economic Process
Der Autor betrachtet Musik als spezielle Verhaltensform, die durch sozioökonomische Faktoren sowohl hervorgerufen wie auch verändert wird. Er hält die Bildung großer Wirtschaftskonzerne in seiner Heimat, wie die "Kongo-Eisenbahn" (1889) und die "Bergbau-Union von Oberkatanga" (1906) für solche Faktoren: sie erforderten die Bereitstellung erheblicher Kontingente von Arbeitskräften, die aus Angehörigen unterschiedlicher Stämme und Völker dieses Gebietes rekrutiert werden mußten, wodurch unterschiedliche Kulturen gezwungen waren, neue Lebensformen zu entwickeln, die ihrerseits von inneren und äußeren Kräften weiter beeinflußt wurden. So gesehen gibt es Grund zur Annahme, daß die heutige Musik von Zaire nicht in der alten Hauptstadt Kinshasa entstanden ist, wie bisher allgemein geglaubt, sondern in jenen stadtartigen Zentren, die sich um die Industrieanlagen gebildet haben. Als Zeitpunkt ihrer Entstehung dürften die späten dreißiger Jahre anzusetzen sein, wenn man alle sprachlichen, wirtschaftlichen und nachrichtentechnischen Faktoren in Rechnung stellt; 1938 wurde die erste Schallplattenfirma in Kinshasa gegründet, die Olympia Editions, und 1940 Radio Congo Belge.
Die wirtschaftliche Entwicklung dieser Zentren, ihre Anziehungskraft auf erhebliche Bevölkerungsgruppen, ihr Verhältnis zum Umland und ihre Beziehungen zur Außenwelt formten regionale Musiktypen. Diese verschmolzen bei einsetzender Kommunikation zwischen den Zentren allmählich zu einem einheitlichen nationalen Stil. Und jetzt erst konnte Kinshasa aufgrund seiner großen Population und seiner technischen Einrichtungen die Führung übernehmen und die wichtigsten stilistischen Weiterentwicklungen bestimmen, die die heutige Zaire-Musik auszeichnen.