International Society for Jazz Research

Communication Analysis in Jazz

Die Fähigkeit eines Hörers, ein Jazz-Solo richtig aufzunehmen und zu verstehen, hängt unter anderem von der Befähigung seines Gehirns ab, eine bestimmte Maximalmenge von Klang zu verarbeiten. Untersuchungen haben gezeigt, daß diese Menge bei gewissen musikalischen Faktoren erstaunlich gering ist. Daher muß ein Jazzspieler, wenn er wirklich erfolgreich sein will, diese begrenzte Aufnahmefähigkeit seiner Zuhörer immer im Auge behalten.

Die Anwendung herkömmlicher Methoden der Informationstheorie auf die Tonhöhen-Verteilung in einem Jazz-Solo bringt zwar eine Vorstellung von der Kurve unterschiedlicher Informationsmengen zu verschiedenen Zeitpunkten: doch wird der Wert dieser Einsichten durch die Vorhersagbarkeit der Musik infolge bestimmter Melodiestrukturen stark vermindert. Daher wurden einige analytische Methoden zur Untersuchung melodischer Strukturen entwickelt, bei denen mehr Wert auf Einfachheit und Nützlichkeit gelegt wurde als auf Feinheit. Die Intervallanalyse kann Melodiestrukturen auch in Form verschieden langer Intervallketten untersuchen und dadurch Einblick in ihre Elemente gewinnen; dadurch werden zwar die herkömmlichen Informationswerte vereinfacht, jedoch verlangt die hier beschriebene reduktive Methode vom Analysator mehr eigene Entscheidungen hinsichtlich syntaktischer Einflüsse auf den Kommunikationsprozeß. Die Nachteile dieser Methode werden durch die Leichtigkeit ausgeglichen, mit welcher sich graphische Darstellungen reduktiver Informationskurven machen lassen.

Musikalische Struktur wird hier als vom Spieler gehandhabte Informations-Reduktion aufgefaßt und, zusammen mit herkömmlicher Tonhöhenverteilungs-Statistik benutzt, um über den gesamten Verlauf einer Improvisation eine hinlänglich zufriedenstellende reduktive Improvisationskurve zu erhalten. Diese Kurve kann zufälligerweise einige Beziehung zur syntaktischen Struktur der Musik haben, sie ist aber für sich selbst ein wichtiger musikalischer Parameter.