Jazz and the Creole Tradition
Durch die Frühgeschichte des Jazz läuft ein Konflikt, den die meisten Jazz-Historiker übersehen, verwischt oder verschwiegen haben: der Konflikt zwischen den französisch- oder spanischsprechenden und den englischsprechenden Afroamerikanern. Hier standen nicht nur die katholischen Traditionen spanischer und französischer Kolonialherren den evangelischen Traditionen der Engländer, Schotten, Holländer und Dänen gegenüber, sondern auch unter den versklavten Afrikanern standen sich traditionell feindliche Stämme gegenüber, da jede der Kolonialnationen Mitglieder anderer afrikanischer Stämme als Sklaven zu erwerben trachtete. Da das Interesse der Jazz-Historiker bisher fast ausschließlich auf die angloamerikanischen Musikformen (Worksongs, Shouts, Spirituals, Ragtime, Blues) gerichtet war, wird die Dringlichkeit der Erforschung afro-kreolischer Musik immer größer, vor allem, da sie im Gegensatz zu den afro-englischen, afro-schottischen, afro-irischen und afro- holländischen Musikformen bereits eine zweite Symbiose afrikanischer und europäischer Elemente enthält - die Verschmelzung spanischer und französischer Musik mit den afrikanischen Elementen der Maurischen Musik des Mittelalters.
Viele dieser afro-spanischen und afro-französischen Musikformen des Mittelalters ähnelten denen, die sich später im Karibischen Meer, in Mittel- und Südamerika und im kreolischen Louisiana bildeten. Die Annäherung zwischen den sogenannten afro- kubanischen Musikformen der dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts, den Bop- Musikern in Harlem und dem Cool Jazz der Westküste ähnelte nun wiederum in hohem Maße der Entwicklung des kreolischen Jazz in Louisiana. Der Autor versucht den Generalnenner dieser verschiedenen Musiksymbiosen herauszuarbeiten, indem er ihnen den Namen "die kreolische Tradition" gibt.