International Society for Jazz Research

Mississippi Delta Blues

Formen und Texte von Robert Johnson (1911–1938)

Aufgrund seines aufgezeichneten Repertoires zeigt Robert Johnson deutlich Spuren musikalischer Einflüsse von Son House, Willie Brown und indirekt von Charley Patton; weiters von Scrapper Blackwell, Hambone Willie Newborn, Skip James und Lonnie Johnson. Robert Johnson wiederum beeinflußte Sänger wie Muddy Waters, Robert Jr. Lockwood, Johnny Shines, Elmore James, Howling Wolf, Homesick James und Sonny Boy Williamson.

Robert Johnson verwendete in seinen Bluestexten sehr viele Wendungen des Black American English. In seinen, zum Teil sehr selbstbiographischen Texten kommt zum Ausdruck, daß er ein einfacher Mann war und die Mann-Frau-Beziehung ein wesentlicher Faktor in seinem Leben gewesen sein muß.

Autoren, die über Johnson geschrieben haben, beurteilen seine Musik und seine Texte sehr unterschiedlich. Für die einen ist er der Bluesmann, andere halten ihn eher für mittelmäßig. Etwa Teddy Doering, der schreibt: "Bei genauerer Prüfung war Robert Johnson nicht so originell, wie zunächst angenommen war" (Ahrens, 1982, S. 26).

Die von mir durchgeführte Untersuchung seines hinterlassenen Werkes hinsichtlich der von ihm verwendeten Bluesformen und Bluestexte zeigt, daß er ganz streng in die Tradition des Mississippi-Delta-Blues gehört. Innerhalb dieser Tradition steht er im Rahmen der Werke jener Musiker, die seine Lehrmeister gewesen sind. Gestützt auf diese Erfahrungen, hat er einen völlig eigenen Stil entwickelt. Diesem gehört der größte Teil seiner hinterlassenen Aufnahmen an. Die von ihm vorgenommenen melodischen, harmonischen oder gitarristischen Anleihen bewegen sich in jenem Rahmen, welcher unter den Musikern der verschiedenen Regionalstile üblich ist, wie David Evans in seiner Studie "Big Road Blues", 1982, ausführlich dargestellt hat.

Neben einem stark autobiographischen Charakter sind für Johnsons Werk relativ viele Stücke charakteristisch, in denen er sich mit besonderen Problemen und Merkmalen der schwarzen Gesellschaft auseinandersetzt, d. s. die Whupping Songs und die Raps. Besonders typisch für ihn ist die kompromißlose Anwendung des Black American English. Obwohl sein hinterlassenes Werk zahlenmäßig klein ist, überrascht es durch seine große Fülle an unterschiedlichen Bluesformen, Harmonieabläufen, Melodietypen und durch das großartige gitarristische Können.